09.10.2026

„Für den KI-Einsatz in der Pflege brauchen wir Akzeptanz unserer Mitarbeitenden“

Künstliche Intelligenz (KI) und digitale Innovationen verändern die Arbeitswelt – auch im Pflegebereich. Beim Innovationsforum Pflege und Eingliederungshilfe am 7. Oktober in Hannover diskutierten Fach- und Führungskräfte aus diakonischen Unternehmen über Strategien und sinnvolle Einsatzgebiete und Anwendungen. Veranstalter waren der Niedersächsische Evangelische Verband für Altenhilfe und Pflege (NEVAP) und das Diakonische Werk in Niedersachsen.

Dr. Miriam Wolf, Vorständin des Verbandes für Digitalisierung in der Sozialwirtschaft, erläuterte In einem einführenden Vortrag, wie und in welchen Bereichen KI bereits Eingang in Pflege und Eingliederungshilfe gefunden hat. Aktuell seien drei typische Fälle zu beobachten: Der Einsatz von KI geschehe „heimlich“ durch einzelne oder mehrere Mitarbeitende, was zu einer „Schatten-KI“ führe, oder es würden parallel und unkoordiniert immer neue und verschiedene KI-Anwendungen ausprobiert. Drittes Szenario: Unternehmen verlören sich in einem nicht Ende nehmenden Prozess des Abwägens und Diskutierens. Wichtig sei es, so Miriam Wulf, dass der Einsatz strategisch gestaltet werde und eine auf die Pflege spezialisierte KI eingesetzt werde: „Überlegen Sie, für was und wen Sie KI nutzen wollen, setzen Sie sich Ziele und priorisieren Sie!“

Für die Einrichtungen sei dies eine große Herausforderung, meinte Jens Wulfekammer, Geschäftsführer Altenhilfe Diakonie Osnabrück und stellvertretender NEVAP-Vorsitzender, in der anschließenden Podiumsdiskussion. Aktuell bewirke der Einsatz von KI noch keine Entlastung, sondern werde eher als Mehrarbeit empfunden: „Wir müssen als Arbeitgeber darauf achten, dass wir die Akzeptanz unserer Mitarbeitenden dafür gewinnen.“

Vera Lux, Präsidentin des Berufsverbandes der Pflegeberufe, stimmte dem zu: Es sei wichtig, die Fach- und Führungskräfte bei der Entwicklung passender digitaler Hilfsmittel und KI einzubinden, damit die Entlastungen dort landeten, wo sie gebraucht würden. Diese Entlastungen erhoffe sie sich dann bei allen standardisierbaren Tätigkeiten, wie beispielsweise Pflegeplanung und -dokumentation.

Auch Marcus Eckhoff, Vorstand des Diakonischen Fachverbandes für Teilhabe und Geschäftsführer bei Neuerkeröder Wohnen und Betreuen, schloss sich dem an: Er könne sich vorstellen, dass zukünftig die Mitarbeitenden in der Pflege und Eingliederungshilfe viele beruflichen Dinge, wie die Erfassung der Arbeitszeit, die Buchung eines Dienstwagens und die Dokumentation an einem mobilen Endgerät regeln könnten. Noch würden viele Mitarbeitende digitale Anwendungen nur privat nutzen. 

Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, richtete sein Statement an die Politik: Digitale Innovation brauche eine verlässliche Refinanzierung: „Bis 2035 werden in Niedersachsen rund 40 Prozent der registrierten Pflegekräfte in Rente gehen. Wenn wir jetzt nicht in digitale Unterstützungssysteme investieren, wird sich der Pflegenotstand zusätzlich verschärfen. Deshalb fordern wir verstärkte Unterstützungen durch Bund und Länder, gerade auch bei der Finanzierung von zusätzlichen IT-Personalstellen.“

In einer begleitenden Ausstellung und vier praxisorientierten Workshops konnten sich die rund 60 Fachtagsteilnehmenden am Nachmittag über digitale Lösungen für die Pflege informieren- von der digitalen Sturzprävention über Robotereinsatz bis zur Software für das Ausfallmanagement.

NEVAP- Vorsitzender Sven Schumacher zog ein positives Resümee des Fachtages: „Wir haben in dieser Veranstaltung bewusst die Themen Pflege und Eingliederungshilfe zusammengebracht und mit dem Diakonischen Fachverband Teilhabe kooperiert. Das schafft Synergien und wir werden dies fortsetzen.“