20.01.2026

Pflegekosten sind nicht mehr tragbar

NEVAP kritisiert "Nicht Handeln" der Bundesregierung und fordert die Begrenzung der Eigenanteile.

„Das ‚Nicht-Handeln‘ der Bundesregierungen hat mittlerweile volkswirtschaftliche und demokratiegefährdende Konsequenzen. Während die Pflegebedürftigkeit weiter steigt, sollen Sozialausgaben gekürzt werden. Dabei muss es das Ziel sein, eine Pflegevollversicherung mit begrenztem Eigenanteil Realität werden zu lassen, die den Pflegebedarfen von Menschen Rechnung trägt, unabhängig vom Wohnort, von ambulanten oder stationären Versorgungssettings. Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Denn die finanzielle Belastung der zu Pflegenden im stationären Setting ist nicht mehr tragbar“, so Sven Schumacher, Vorstandsvorsitzender des Niedersächsischen Evangelischen Verband für Altenhilfe und Pflege (NEVAP).

In Niedersachsen beträgt die durchschnittliche Rente für Männer 1.800 Euro. Frauen erhalten im Schnitt ca. 1.400 Euro. Der Eigenanteil für einen Pflegeplatz beträgt in Niedersachsen jedoch inzwischen rund 3.000 Euro. Die riesige Lücke ist offensichtlich. Deshalb bleibt für viele zu Pflegenden nur noch die Beantragung der „Hilfe zur Pflege“ – also Sozialhilfe. Als monatlichen Barbetrag, über den die zu Pflegenden selbst verfügen können, erhalten sie 152 Euro.

„Für Pflegebedürftige sowie für die Lebenspartner*innen ist die Armutsfalle Pflege längst Realität. Immer mehr können die finanziellen Mittel für die notwendigen Leistungen nicht mehr aufbringen. Die Folge: Die Pflegebedürftigen bleiben unterversorgt zurück und die Hauptlast der Pflege verlagert sich weiter ins Private, indem pflegende An- und Zugehörige die Versorgung allein übernehmen und auf Dauer häufig selbst durch Überlastung erkranken. Professionelle Pflege darf nicht zum Luxusgut Einzelner werden“, ergänzt Stefanie Schwinge-Fahlberg, stellvertretende NEVAP-Vorsitzende.

„Wir erleben es in unserer täglichen Arbeit, wie belastet An- und Zugehörige von zu Pflegenden sind. Körperlich, psychisch und zunehmend auch finanziell. Pflege ist ein 24/7 Job, ohne Feierabend und mit wenig Pausen. Deshalb sind unsere Tagespflegeeinrichtungen ein wichtiges Entlastungsangebot für die An- und Zugehörigen, das dringend ausgebaut werden muss,“ so Sven Schumacher abschließend.

 

Ein Interview des Vorstandssprechers der niedersächsischen Diakonie, Hans-Joachim Lenke, zu diesem Thema hatte zuvor ein großes Medienecho ausgelöst. 

 

Diakonie-Chef: Pflege wird für mehr Menschen unbezahlbar

 

Diakonie-Chef: Pflege wird für mehr Menschen unbezahlbar - WELT