Sektoren überwinden, Digitalisierung vorantreiben

Fachtag des Niedersächsischen Evangelischen Verbandes für Altenhilfe und Pflege (NEVAP)

Nevap-Fahne mit Logo

Im Mittelpunkt des digitalen Fachtages des Niedersächsischen Evangelischen Verbandes für Altenhilfe und Pflege e.V. (NEVAP) am 14. Oktober stand der Vortrag von Prof. Dr. Michael Isfort, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung, zum Landespflegebericht Niedersachsen 2020.

Als größtes gesundheitspolitisches Problem bezeichnete Prof. Isfort den sich zuspitzenden Fachkräftemangel in der Pflege. „Wir verzeichnen faktisch eine Vollbeschäftigung", beschrieb der Pflegewissenschaftler die aktuelle Lage. Schon jetzt könnten gesetzliche Ansprüche auf Kurzzeitpflegeplätze und Plätze in Tagespflegeeinrichtungen nicht mehr erfüllt werden. Die Situation werde sich in den nächsten Jahren verschärfen - durch den hohen Altersdurchschnitt bei den Pflegekräften bei gleichzeitig zu geringen Zahlen von Absolventinnen und Absolventen in der Pflegeausbildung. Man müsse sich auch von der Vorstellung lösen, dieses Problem sei durch Pflegekräfte aus Drittstaaten lösbar. Die Beschäftigung dieser Personengruppe spiele in der Entwicklung kaum eine Rolle, so Isfort.

Die wichtigste Konsequenz aus den Ergebnissen des Landespflegeberichtes sieht Prof. Michael Isfort in der Fokussierung auf regionale Bedarfe und die Abkehr vom „sektorialem Denken“, das die pflegerische Versorgung in stationär, teilstationär und ambulant unterscheide. Die Versorgungssicherheit pflegebedürftiger Menschen, das zeige der Bericht deutlich, weise auf große Unterschiede in den niedersächsischen Kreisen und kreisfreien Städten hin. Isfort riet dazu, die Problematik mit dem Zusammenwirken aller an der Versorgung Beteiligten in „regionalen Versorgungsverbünden“ anzugehen.

Zuvor sagte Gesa Schirmmacher vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung in ihrem Grußwort, das Ministerium teile die Ansicht des NEVAP und anderer Fachverbände, dass die jüngste Reform der Pflegeversicherung nicht ausreiche und weitere Verbesserungen in der Qualität nicht auf Kosten der Pflegebedürftigen gehen dürften.

In einem weiteren Fachvortrag stellte sich Charly Bunar (gematik GmbH) den Fragen der Teilnehmenden zur geplanten umfassenden Digitalisierung des Gesundheits- und Pflegebereichs („Telematikinfrastruktur“).

Andrea Hirsing, Bereichsleitung Pflege und Gesundheit im Diakonischen Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen (DWiN), berichtete abschließend über die Evaluation des Krisenmanagements diakonischer Einrichtungen der Altenhilfe und Eingliederungshilfe während der COVID-19-Pandemie und zog ein insgesamt positives Resümee. Die Versorgung habe man sicherstellen, die Digitalisierung und neue Formen der Zusammenarbeit stark vorantreiben können. Weiterentwickelt werden müssten Konzepte virtueller Schulungen.

 

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