Drei von vier Trägern der Pflege schränken Angebote aus Personalmangel ein

Stefanie Schwinge-Fahlberg, Stellvertretende Vorsitzende des NEVAP
Stefanie Schwinge-Fahlberg Stv. NEVAP-Vorsitzende

75 Prozent von 124 teilnehmenden Trägern in Niedersachsen gaben in der Umfrage an, dass sie Leistungen aus personellen Gründen in den letzten sechs Monaten einschränken mussten. 50 Prozent der Pflegeheime konnten danach freie Betten nicht belegen und sogar 90 Prozent der ambulanten Dienste gaben an, dass sie Neukunden ablehnen mussten. Als Hauptgrund wird weiterhin fehlendes Pflegepersonal genannt.

„Die Zahlen vom Januar 2024 bestätigen die der ersten Umfrage vom April 2023“, sagt Sven Schumacher, Vorsitzender des Niedersächsischen Evangelischen Verbandes für Altenhilfe und Pflege (NEVAP). Auch die Auswertungen für Niedersachsen zeigten leider, dass sich die Zahlen verstetigen. Die Politik müsse dringend handeln. „Die Wiederherstellung der Versorgungssicherheit der pflegebedürftigen Menschen muss viel größere gesellschaftliche Priorität haben, denn die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen steigt in den nächsten Jahren bekanntermaßen erheblich.“ Außerdem dürfe nicht vergessen werden, dass die Menschen sozialrechtliche Ansprüche hätten. „Auch pflegende Angehörige und die vielen engagierten Pflege- und Betreuungskräfte warten schon viel zu lange, dass sich die Situation verbessert“, so Schumacher.

Die stellvertretenden NEVAP-Vorsitzende, Stefanie Schwinge-Fahlberg, fordert ebenfalls ein aktives Gegensteuern der Politik: „Am wichtigsten wäre der Abbau übermäßiger bürokratischer Strukturen mit ihren ständig neuen Anforderungen, einer überbordenden Dokumentation und kleinstteiligen Prüfungen und Kontrollen. Dadurch könnten zahlreiche Pflegekapazitäten wieder dem eigentlichen Pflegeprozess zurückgeführt werden“, so Schwinge-Fahlberg. Außerdem müssten ausländische Fachabschlüsse schneller anerkannt werden.

Hintergrund: Die Umfrage wurde vom 10. bis 31. Januar 2024 vom DEVAP durchgeführt. 578 Träger in Deutschland haben teilgenommen, davon 63 Prozent aus der stationären und 37 Prozent aus der ambulanten Langzeitpflege. Die Teilnehmenden kamen vorwiegend aus Nordrhein-Westfalen (26 Prozent), Niedersachsen (19 Prozent) und Bayern (15 Prozent).

 

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